Paralympisches Jugendlager Peking 2008

One Team, one Dream

Dass es dazu kam hat vielfältige Gründe. Die Bewerber zum Jugendlager in Peking, ob behindert oder nicht behindert waren alle sehr qualifiziert und so war die Auswahl recht schwer. Schon beim Vorbereitungsseminar im Mai in Köln zeigte sich wie unkompliziert die Gruppe war, wie sich erste Freundschaften abzeichneten und jeder eigentlich schon am liebsten am nächsten Tag nach Peking aufgebrochen wäre. Keiner war ausgeschlossen und alle waren bereit in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen mitzuarbeiten und sich in die Gestaltung des Programms einzubringen.

Ein zusätzliches Attribut zeichnete die Gruppe von Beginn an aus: Absolutes Durchhaltevermögen und dies in vielerlei Hinsicht. Gleich zu Beginn die Anreise nach Frankfurt aus allen Ecken Deutschlands, der anschließende Nachtflug nach Peking und dort - noch am gleichen Abend - die fast 4stündige Eröffnungsfeier. Für einige bedeutete dies ca. 40 Stunden kein Schlaf und doch war jeder bei dieser gelungenen Auftaktveranstaltung hell wach.

Ein weiterer Bereich unermüdlichen Einsatzes stellten die Wettkampforte der Paralympics auf dem Olympic Green dar, wo gejubelt, angefeuert, gesungen, gebrüllt und Fahnen geschwenkt wurden. Lange in Erinnerung wird der Versuch einiger Teilnehmer bleiben, als sie in der Basketballhalle eine Halbzeit lang unermüdlich versuchten, den Chinesen die “Welle“ beizubringen. Als es der eigene Block endlich begriffen hatte, musste mit viel Überzeugung der nächste Block animiert werden. Bis zur Halbzeitsirene gelang es dann endlich auf einer Tribünenseite die Welle “laufen zu lassen“.

Die größte Anerkennung haben sich allerdings bei diesem Lager die Betreuer und die Teilnehmer selbst verdient. Erstere sahen von alleine, wo sie anpacken oder aktiv werden mussten und die Teilnehmer waren nicht nur „pflegeleicht“, sondern völlig unkompliziert im Umgang untereinander oder mit ihren Betreuern! Ein ZDF Reporter, der für einen halben Tag die Gruppe begleitete, meinte dann am Abend: „So etwas sollten mehrere meiner Kollegen einmal erleben. Diese Jugendlichen sind völlig problemlos im Umgang untereinander und die Behinderung stellt für sie kein Hemmnis hier in der Stadt oder bei den Besichtigungen dar. Irgendwie gibt es immer eine Lösung!“

Das größte Lob für ihr Auftreten und ihr Engagement erhielten die DBSJ und alle Teilnehmer des Jugendlagers von unserem Bundespräsidenten. Er löste sein Versprechen von Athen ein, wo er den damaligen Teilnehmern versprach, dass er nach Peking kommen werde. Wie wichtig und welche Bedeutung dieser Besuch bei den Paralympics für ihn hatte, wurde fast in jedem Satz des Bundespräsidenten deutlich: „Ich kann Euch sagen, dass dies für mich kein Pflichtbesuch ist, sondern eine Herzensangelegenheit. Ich freue mich sehr hier bei Euch sein zu dürfen. Hier fühle ich mich wohl!“ Völlig überraschend kam dann die Bitte von ihm, ob seine Frau zu ihm nach vorne kommen dürfe, denn es gäbe zwei Geburtstagskinder und sie könne das Geburtstagslied besser anstimmen. Für die beiden Betroffenen ein ganz besonderer Moment im Leben, denn wer kann schon sagen, dass ihm der Bundespräsident mit Gattin zum Geburtstag ein Ständchen gesungen hat.

Nicht vergessen wird allen auch die einmalige Stimmung im Stadion, im sog. Vogelnest, sein. Manch einem ist sicher ein kalter Schauer den Rücken herunter gelaufen mitzuerleben, wie über 90.000 Zuschauer zugleich jubelten, die Sportler anfeuerten oder insbesondere die Chinesen ihre Nationalhymne voller Inbrunst sangen. Genauso erwähnenswert waren die vielen freundlichen Helfer in und um die Stadien und die wunderbare Atmosphäre am Abend auf dem Olympic Green, wenn alles angestrahlt wurde oder die Wasserfontänen auf dem Vorplatz nach klassischer Musik gesteuert aus dem Boden sprudelten.

Apropos „sprudeln“ - die chinesische Reiseleiterin Lilly, die das Jugendlager bei den Ausflügen und Besichtigungen begleitete, nutze die Zeit im Bus, die Teilnehmer mit der chinesischen Sprache und der chinesischen Kultur vertraut zu machen. Dass die Chinesen zu wundersamen sprachlichen Umschreibungen und mithin Übertreibungen neigen, zeigt der bei uns so profane Ort der Toilette; in China „Halle der Harmonie“ genannt. Dies führte natürlich zu den „harmonischsten“ und höchst anspruchsvollen Redewendungen. Der wohl launigste Ausspruch lautete: „Lilly, mein Quell der Harmonie verlangt nach der Halle der Harmonie.“ Kann dieser Ansatz, die Teilnehmer mit der Kultur des Gastlandes vertraut zu machen eigentlich auf noch höherem Niveau verlaufen?

Zu Peking etwas zu schreiben überfordert so manchen. Denn nicht einmal im Ansatz ist es wahrscheinlich den meisten Teilnehmern gelungen, einen Überblick – abgesehen von dem riesigen Modell im Stadtplanungsbüro – über diese Stadt zu bekommen, geschweige denn, sich darin zu orientieren. Viel zu gleichförmig sind viele Stadtteile mit ihren Wohnmaschinen, viel zu lang die Ringstraßen in und um die Stadt, und viel zu groß ist der immer wieder überraschende Wechsel zwischen super modernen Bauwerken und alten Bausubstanzen. Und trotzdem ist dieser Moloch einfach nur imponierend.

Die Paralympics in Peking waren für alle ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis, das mit einer beeindruckenden Schlussfeier ihren Abschluss fand. Aber auch in Peking und in China selbst wird diese größte Sportveranstaltung von Menschen mit Behinderung ihre Spuren hinterlassen. Behinderte wurden wahrgenommen, bejubelt, als Helden gefeiert und im Fernsehen waren die Spiele fast rund um die Uhr zu verfolgen. Die immer wieder auch für die Paralympics geforderte Nachhaltigkeit wird in China für Menschen mit Behinderung bestimmt positive Spuren hinterlassen.

Und bei uns? Wir erhoffen uns natürlich, dass das Paralympische Jugendlager der DBSJ zusammen mit unseren Freunden aus Österreich bei einigen Sportfunktionären die Notwendigkeit von Ausbau und Stärkung internationaler Jugendarbeit im Behindertensport geweckt hat. Andererseits erhoffen wir uns, dass das Erlebnis Peking bei einigen Teilnehmern des Jugendlagers der DBSJ die Motivation, mehr zu trainieren vorantrieb, um in vier Jahren selbst im deutschen Paralympicteam zu stehen. Und von allen anderen Jugendlichen wünschen wir uns möglichst langfristige Kontakte zur DBSJ, Interesse an ehrenamtlicher Mitarbeit im DBSJuniorteam und/oder zukünftig auch in unserem Vorstand.

Ein Traum wäre es, wenn hier die Generation heranwüchse, die die bisherigen Macher des Paralympischen Jugendlagers in einigen Jahren ablösen könnten.

Dann gingen unser Motto und unser Traum von „one Team, one Dream“ wirklich in Erfüllung.

Norbert Fleischmann





DBS erhält erhält von der Postbank 60.000 € für das Nationale Paralympische Jugendlager

Die Postbank spendete 60.000 Euro für die Durchführung des Nationalen Paralympischen Jugendlagers der DBSJ in Peking. Die finanzielle Zuwendung stammt aus dem Postbank Gewinn-Sparen. Mit dem Geld fördert die Postbank auf Anregung der Aktion Mensch in diesem Jahr vier gemeinnützigen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Neben dem Nationalen Paralympischen Jugendlager in Peking, sind das die „Dunkelkonzerte“ des Jazz-Festivals in Moers, das Filmfestival der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien sowie die Aufklärungsarbeit der Bundesvereinigung Lebenshilfe.
Die DBSJ dankt der Postbank und der Aktion Mensch.





Bundesministerin Frau Dr. Ursula von der Leyen
Schirmherrin des Paralympisches Jugendlagers Peking 2008

(DL) Die Vorbereitungen des Paralympischen Jugendlagers, das vom 05. – 18.09.2008 in Peking/CHN stattfinden soll, haben längst ihren Anfang genommen. Der Vorstand der Deutschen Behinderten-Sportjugend (DBSJ) freut sich über erste erzielte Erfolge. So konnte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Frau Dr. Ursula von der Leyen - als Schirmherrin dieser Veranstaltung gewonnen werden. In Ihrer Antwort teilte sie u.a. mit: “Auch mir liegt sehr viel daran, den Beitrag des Sports an der Integration von Menschen mit Behinderung, gerade auch im Jugendbereich heraus zu stellen. Deswegen übernehme ich gerne die Schirmherrschaft über das Paralympische Jugendlager 2008 in Peking. Den Sportlerinnen und Sportlern wünsche ich bereits jetzt viel Erfolg bei den Spielen und Ihnen denselben, bei Ihren Bemühungen um ein offizielles Internationales Paralympisches Jugendlager, wenn nicht schon in Peking, dann für die nächsten Spiele.“

Nähere Informationen zum Paralympischen Jugendlager Peking 2008 wird die DBSJ in Form einer Ausschreibung den Landesverbänden gegenüber noch im Herbst d.J. bekanntgeben.