Paralympisches Jugendlager Athen 2004

4. Paralympisches Jugendlager Athen 2004
– Nachtreffen aller TeilnehmerInnen in Köln

Eine Fotogalerie zu den nachfolgenden drei Berichten gibt es hier.

Gemeinsam in Erinnerung schweben

Vom 15. bis 17. April 2004 fand in Köln/Deutz das Nachtreffen des 4. Paralympischen Jugendlagers Athen 2004 der Deutschen Behinderten-Sportjugend (DBSJ) statt.
Hat die Zeit nach Athen jeden von uns zu schnell in die Realität und die Verpflichtungen in Schule sowie Beruf zurückgeholt, war dies die Möglichkeit, gemeinsam in den Erinnerungen zu schweben….
Schon lange vorher habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut! Die letzte Stunde der Zugfahrt machte mich schon langsam kribbelig, ich wollte endlich alle wieder sehen und „Hallo“ sagen können.
Um 18.00 Uhr war es dann soweit. Es begann die Begrüßung für ein wunderschönes und erlebnisreiches Wochenende. Die herzlichen Begrüßungen und ein Blick in die strahlenden Gesichter zeigten mir, dass bei allen die Freude groß war und ähnliche Gedanken vorherrschten.
Liegt Athen jetzt schon 7 Monate zurück, war es doch so, als ob wir uns erst gestern vom Flughafen Frankfurt/Main verabschiedet haben.
Die Vertrautheit an diesem Wochenende und vor allem das Wissen, dass wir uns alle nicht ganz ein Jahr kennen - bis auf wenige Ausnahmen, die sich durch Ehrenamt und die Sportart schon länger kennen – gaben mir das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen.
Dieses Wochenende gab uns Raum und Zeit in Erinnerungen zu schweben, neue Eindrücke über die Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Sitzvolleyball zu sammeln sowie die Gemeinschaft zu genießen.
Der Freitagabend begann mit einigen Berichterstattungen aus dem Fernsehen über die Paralympics in Athen und einigen Bildershows, dem Bewundern der sehr gelungenen und tollen Dokumentation über das 4. PJ Athen 2004 sowie vielen Gesprächen.
Am Samstag war dann sportliche Leistung gefragt. Wir fuhren morgens um 9.00 Uhr mit einem Reisebus nach Leverkusen auf das Sportgelände des Vereins TSV Bayer Leverkusen 04. Wir wurden dort herzlich willkommen und dank einer perfekten Organisation durch den Tag geführt. In Gruppen teilten wir uns am Vor- als auch am Nachmittag auf die drei paralympischen Sportarten auf. Einige von uns waren so begeistert, dass sie den ganzen Tag die gleiche Sportart machten, was beim Sitzvolleyball ordentliches “Sitzfleisch“ abverlangte.
Angesteckt von Ehrgeiz und Motivation durch die sportlichen sowie funktionellen Größen gaben alle ihr Bestes.
Beim Sitzvolleyball zählte kein Schmerz, sondern nur punkten punkten punkten ….. !
In heißen Matches kamen bei allen zweier Teams die letzten Reserven zum Vorschein.
Völlig geschafft, aber glücklich über das sportliche Erlebnis, fuhren wir zurück nach Köln/Deutz.

Frisch geduscht und vom Abendessen gestärkt, ging es dann gegen 20 Uhr in die letzte Runde: Disco! Um diese Zeit hätte niemand von uns geahnt, dass diese Nacht erst 2 Uhr enden würde. Nach anfänglichem Mangel an Beteiligung auf der Tanzfläche und einem kleinen „Dauer-Animationsteam“ von ca. 5 Personen, kamen zu später bzw. früher Stunde auch die letzten aus ihren Löchern zum Tanzen gekrochen oder wurden schlicht und einfach mit Tricks überredet.
In dieser Nacht kamen ungeahnte Fähigkeiten und Charaktere zum Vorschein. So manch einer konnte gut mit einer „Duracell-Batterie“ verglichen werden.
Als 1.30 Uhr die letzte Runde mit den Worten „Nur noch drei Lieder“ eingeläutet wurde, sammelten alle noch Anwesenden ihr Reserven zusammen – Schmerz und Geschafftheit wurden schon seit Stunden ignoriert – und tanzten die letzten drei Lieder durch.
So schafften wir zum dritten Mal in dieser Nacht den Tanz „Macarena“ fast synchron und so manch einer von uns schwebte da kurzzeitig in Gedanken an Atlanta/USA 1996 zurück.

Alles in allem war dies ein gelungenes Wochenende!
Wieder einmal hat die Deutsche Behinderten-Sportjugend gezeigt, wie sehr Sport Menschen mit und ohne Behinderungen verbinden kann, wie in dieser Gemeinschaft Handicaps und Defizite vergessen werden. In diesem Rahmen ist jede/jeder gleich und bieten somit allen die Möglichkeit einer Stärkung des Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins – eines der wichtigsten Kompetenzen in unserer Gesellschaft.

Ich danke allen, die dieses Wochenende möglich gemacht haben und allen, die dieses Wochenende mit viel Freude und Energie gefüllt haben!

Manuela Eckert
- DBSJ-Juniorteam -
- DBSJ-Vorstand –



Wiedersehen in Köln

Endlich! – ca. 7 Monate nach dem Paralympischen Jugendlager in Athen fand vom 15.-17.04.05 in Köln ein Nachtreffen statt und ich konnte alle anderen Teilnehmer wieder sehen, fast alle. Leider fehlten einige in der Gruppe.
Ich konnte es kaum erwarten, dass ich endlich in Köln ankam und schon nach kurzer Zeit war es, als hätten wir uns wenige Tage vorher zuletzt gesehen.
Nach der offiziellen Begrüßung wurden mit Hilfe von Fotos und einer Präsentation des österreichischen Jugendlagers die Erinnerungen an Athen noch einmal aufgefrischt. Die Dokumentation mit den Berichten und Fotos tat ihr Übriges. Es folgten rege Gespräche und Unterhaltungen und allmählich löste sich die Gruppe auf.
Am nächsten Morgen stand die Fahrt nach Leverkusen an, wo wir an einem Schnuppertraining in den Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Sitzvolleyball teilnehmen sollten. Schon im Bus herrschte gute Stimmung und ich fühlte mich stark an Athen erinnert, zumal da wir alle wieder „schlumpfen-blau“ gekleidet waren. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und das Training begann. Nach der Mittagspause – in der uns zusätzlich der DBS-Präsident Herr Theodor Zühlsdorf begrüßte - konnten wir die Sportart wechseln. Obwohl vor allem die Sitzvolleyballer über ein anstrengendes Programm „klagten“, war die allgemeine Meinung, dass es sehr viel Spaß gemacht hat.
Nach der Rückkehr in die Jugendherberge stand abends „gemütliches Beisammensein mit fetziger Musik“ auf dem Programm. Die Stimmung war klasse und sogar die Betreuer hielt es nicht auf den Stühlen. Zum Schluss befanden sich fast alle auf der Tanzfläche bis es gegen 2 Uhr hieß, der gemeinsame Abend sei nun leider zu Ende.
Sonntagmorgen war schon alles vorbei und wir mussten uns mal wieder verabschieden. Das Wochenende ging viel zu schnell vorbei… Aber da im Herbst ein weiteres Treffen geplant ist, kann man sich schon jetzt darauf freuen.
Bei diesem Wochenende fühlte ich mich auch an das Vorbereitungstreffen vor fast einem Jahr erinnert, als ich noch nicht wusste, was mich alles erwarten würde. „Integration einmal umgekehrt…“ hieß es damals und das hat geklappt. Ob mit oder ohne Behinderung war und ist egal. Es ist eine tolle Gruppe, in der sich viele neue Freundschaften gebildet haben!

Bernadette Gies



Nachtreffen der „happy family“ in Köln vom 15.-17.04.2005

Unsere gemeinsame Reise zum den Paralympics ist bereits ein halbes Jahr her, so lange haben wir uns nicht mehr gesehen. Jetzt endlich konnten wir alle in Köln zu einem Nachtreffen wieder zusammenkommen.

Schon in der Eingangshalle der Jugendherberge fielen sich alle um den Hals und erzählten sich, was in dem letzten halben Jahr alles geschehen ist.
Nach dem Abendessen ging der „Informationsaustausch“ weiter: mit Fotos, Videos der Wettkämpfe und mit viel Geplapper war der Abend viel zu schnell vorbei. Alle schönen Erinnerungen wurden aufgefrischt...

Am Samstagmorgen ging es zum TSV Bayer 04 Leverkusen. Wir konnten eine Einführung in die Sportarten Schwimmen, Leichtathletik und Sitzvolleyball genießen unter fachlicher Anleitung von erfahrenen Sportlerinnen und Sportler, die sich als Trainer zu Verfügung stellten. So wurde zum Beispiel das Leichtathletiktraining u.a. mit Steffi Nerius, Silbermedaillengewinnerin im Speerwurf der Olympischen Spiele von Athen durchgeführt. Das Sitzvolleyballtraining wurde von Dr. Karl Quade höchst persönlich geleitet, der nicht nur Trainer der Sitzvolleyballer von Bayer 04 ist, sondern zugleich auch Vizepräsident Leistungssport im DBS. Beim Schwimmen stand der Paralympicsteilnehmer Sebastian Iwanow mit seinen Trainern zur Verfügung.
Innerhalb eines Tages konnten wir einiges lernen. Der ein oder andere spürte auch am Tag darauf seine Muskeln, somit merkte man, dass sie wirklich beansprucht wurden!

Am Abend war zum Abschluss für alle eine Party im Keller der Jugendherberge und so wurde mit Musik bis in die Nach hinein gefeiert. Das Wochenende war ein großer Erfolg. Wir hatten jede Menge Spaß.

Am Ende dieses Wochenendes nannten wir uns sogar schon die „happy family“.

Martina Hierle







Paralympisches Jugendlager Athen 2004
Motivationscamp für die Stars von Morgen

Für so manchen selbst ernannten Star von heute ist es geradezu in zu brüllen: „Hilfe holt mich hier raus, ich bin ein Star!“. Nicht so für die Teilnehmer des 4. Paralympischen Jugendlagers der Deutschen Behinderten - Sportjugend (DBSJ) vom 16.-29.09.2004 in Athen. Sie fanden es toll im Jugendlager und viele wären gerne länger geblieben. Ein voller Erfolg für die Organisatoren, denn keiner der Teilnehmer schrie: „ Hilfe holt mich hier raus!“.

Nach Barcelona, Atlanta und Sydney war Athen 2004 nun das 4. Jugendlager der DBSJ und erstmals ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, diesem Lager ein wenig den angestrebten internationalen Charakter zu ermitteln. Mit Österreich und der Türkei konnten zwei weitere Nationen zur Teilnahme bewegt werden.
Auch wenn bei diesem Schritt noch einiges der Improvisation unterlag und es für alle Beteiligten ein Lernprozess war, so war die einhellige Meinung: In Peking sind wir erneut dabei und müssen darüber hinaus weitere Nationen zur Teilnahme überzeugen. Für die teilnehmenden Jugendlichen kann dies nur zum Vorteil sein und die DBSJ bekommt weitere Mitstreiter in ihrem Bemühen ein offizielles “Internationales Paralympisches Jugendlager des IPC (Internationales Paralympisches Komitee)“ zu verwirklichen.

Bewerben und teilnehmen am Paralympischen Jugendlager in Athen konnten sich Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die sportliche Erfolge nachzuweisen hatten oder sich als „soziale Talente“, ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit des Behindertensports, erwiesen. Außerdem standen - nach den sehr guten Erfahrungen vom letzten Jugendlager in Sydney 2000 - wieder Plätze für nichtbehinderte Jugendliche aus anderen Spitzenverbänden des Deutschen Sportbundes zur Verfügung.
Beim Vorbereitungstreffen im Mai in Köln sahen sich die 42 Jugendliche, darunter vier Jugendliche ohne Behinderung und ihre Betreuer erstmals. In spielerischer Form lernte man sich kennen, erfuhr in Beiträgen und Referaten vieles über die Geschichte Olympias und die Paralympics. Als dann nach 2 Tagen die offizielle Einkleidung an die Teilnehmer verteilt wurde, war die Vorfreude und die Erwartung auf die Abreise im September bei den meisten sehr groß.
Die Reaktionen der Teilnehmer auf dieses Seminar waren überaus positiv, was sich in den Tagen danach aus E-Mails, SMS oder Anrufen ableiten ließ. Eine tolle Gruppe hatte sich gefunden und einige wären gerne zu einem weiteren Vorbereitungsseminar gekommen. Aber alle mussten sich bis zum 16.September gedulden, bis es von Frankfurt aus nach Athen ging.

Athen ist nun einmal alles andere als behindertenfreundlich und darüber hinaus noch eine behindertengerechte und bezahlbare Unterkunft zu finden, hatte sich in der über 14monatigen Vorbereitungszeit als äußerst schwierig erwiesen. Am Ende wurde ein Kompromiss geschlossen und ein kleineres Hotel in Glifada, im Süden Athens, als „Basis des Jugendlagers“ gewählt.
Die teilweise bis zu zweistündige Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Olympia Stadion, wurde von den Teilnehmern sehr schnell als hinnehmbar akzeptiert und die Zeit zum Einüben der Anfeuerungsrufe- und Gesänge für die deutschen Athleten genutzt. Für die griechischen Fahrgäste oft etwas gewöhnungsbedürftig, aber da sie König Otto ja schon mit Hochachtung den `verrückten Deutschen` nannten, bestand die kleine Hoffnung, dass dieses Attribut auch auf die lautstarken Jugendlagerteilnehmer übertragen werden konnte.


Aber nicht nur das Anfeuern der Athleten und der Besuch der Wettkämpfe war Ziel des Paralympische Jugendlagers.
Die Deutsche Behinderten - Sportjugend knüpft an die Ziele des Olympischen Jugendlagers des IOC an und möchte neben dem Sport, den Teilnehmern Land und Leute, Kultur und Geschichte näher bringen.


So standen Besuche der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Athen und der Ausgrabungsstätte in Korinth und Epidaurus auf dem Programm. Ein Besuch der Deutschen Schule in Athen gab einen interessanten Einblick in das Schülerleben dieser Schule und die teilweise sehr hohen Anforderungen, die insbesondere den einheimischen Jugendlichen abverlangt werden, um an dieser Schule erfolgreich zu bestehen.

Langfristig setzt die DBSJ mit ihrem Jugendlager auf einen Motivationsschub ihrer Teilnehmer, der sich nach zwei Richtungen hin positiv auswirken soll:

So sollte einerseits den sportlich leistungsorientierten Jugendlichen durch den Besuch der Wettkämpfe und die persönlichen Treffen mit ihren sportlichen Vorbildern ein Anreiz gegeben werden, in den nächsten Jahren noch intensiver zu trainieren, um ihren Traum von der aktiven Teilnahme an den nächsten Paralympics zu verwirklichen. Bei entsprechender Eignung werden sie nach den Paralympics zu Nachwuchs- bzw. Leistungslehrgängen der DBSJ und des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) e.V. eingeladen.
Diejenigen aber, die andererseits ihre Freude mehr an breitensportlichen Aktivitäten haben oder sich aktiv in der Jugendarbeit in ihrem Verein oder Landesverband engagieren wollen, soll das Erlebnis Athen dazu dienen, andere Jugendliche anzusprechen und sie in die Vereinsarbeit zu integrieren. Weiterhin werden sie - wie bereits praktiziert - auch zukünftig zu Lehrgängen der DBSJ eingeladen, wo sie ihre Fähigkeit als `soziales Talent` einbringen können und speziell für ihre Aufgaben geschult werden.

Neben den täglichen Besuchen verschiedenster Wettkämpfe und Sportarten, waren für viele Jugendliche die Begegnungen mit deutschen Athleten in den Stadien, im Paralympischen Dorf oder bei gemeinsamen Empfängen und Treffen die Highlights.
Ein besonderer Höhepunkt war für alle der Besuch des Bundespräsidenten, der sich sichtbar wohl unter den Teilnehmern des Jugendlagers fühlte, zu den Jugendlichen und Betreuern ging und das Gespräch mit ihnen suchte.




Er ließ einen anderen Besuchstermin verstreichen und musste von seinem Begleittross mehrfach daran erinnert werden, doch wenigstens den nächsten Termin wahrzunehmen. Und dass dieses Treffen auch anscheinend für ihn ein besonderes Erlebnis war, unterstrich er mit einer Einladung an die deutschen Teilnehmer zu sich nach Berlin. Daraufhin waren ihm einige “Laola - Wellen“ sicher, an denen er sich auch beteiligte.


Ein Staatsoberhaupt, offen, locker und sympathisch, was bei allen Anwesenden dieses Treffens einen anhaltenden Eindruck hinterlassen hat.

Die zu Beginn erwähnten `Anfeuerungstrainingszeiten für Gesänge und Laola` in Straßenbahnen und Bussen, hatten also ihren Zweck erfüllt und wurden auch in einem ARD Fernsehbeitrag über die deutschen Sitzvolleyballer eingeblendet und erwähnt. Aber auch ARD Radio und einige Zeitungen fanden es wichtig, über das Paralympische Jugendlager und seinen speziellen Auftrag zu berichten.
Für die Teilnehmer und die Organisatoren der Deutschen Behinderten - Sportjugend stand natürlich am Ende der Veranstaltung in Athen fest: Peking wir kommen.

Und auch dann wird bestimmt wieder keiner schreien: „Hilfe holt mich hier raus“, sondern viel eher wird zu erwarten sein, dass viele rufen, „ Hilfe, ich will auch hinein!“

Norbert Fleischmann



Eine Bildergalerie zum PJL 2004 Athen ist nun auch verfügbar.